__ WOYZECK (electropop opera)

 





 

PROGRAMM



WOYZECK
electropop opera by UMS ´n JIP

based on the drama Woyzeck
by Georg Büchner
German (subtitles: En/Fr/Sp
)
2021, world premiere


MITWIRKENDE

Text: Georg Büchner
Libretto & Musik: UMS ´n JIP
Regie: Wolfgang Beuschel
Bühne & Licht: UMS ´n JIP
Spiel: Ulrike Mayer-Spohn, Javier Hagen










IDEE



Die electropop opera Woyzeck nach der gleichnamigen Dramenfragment von Georg Büchner ist ein Musiktheater von und mit UMS ´n JIP (Ulrike Mayer-Spohn und Javier Hagen), inszeniert von Wolfgang Beuschel. Büchners Theaterwerk in diesem Format zu zeigen mutet auf den ersten Blick merkwürdig, aber angesichts der Tatsache, dass die Grundanlage des Stückes mit seinen lose und in keiner verbindlichen Reihenfolge aneinander gereihten Szenen offen und fragmentarisch ist, bietet sich hier für UMS ´n JIP immanent ein Spielfeld für experimentelle Formate. Electropop und experimentelle Musik bieten eine breite Reibefläche, an welcher sich auch im Woyzeck beispielsweise die bespielten und teils krass gezeichneten Standesunterschiede wetzen.

Nach wie vor interessieren uns (UMS ´n JIP) Übergänge, Grauzonen, Klangräume, die Ambivalenz eines Wortes zwischen Klang und Bedeutung, die Ambivalenz eines Bildes zwischen Erscheinung und Bedeutung und die Mechanik, die Gleichzeitigkeit und das Verweben verschiedener Medien. So loten wir sowohl kompositorisch, szenisch und visuell die psychologischen Zwischenräume der vorkommenden Figuren aus und spiegeln sie mit Videoprojektionen an zeitgenössischen Übersetzungen derselben.

Mit ihren ‚electropop operas‘ ONE, TWO, THREE, FOUR, FIVE, EINER, SANCHO, zahlreichen halbszenischen und performativen Auftragsarbeiten und den Musiktheatern in Zusammenarbeit mit dem CETC am Teatro Colon in Buenos Aires können UMS ´n JIP seit 2007 auf eine jahrelange Erfahrung mit dem Genre zurückblicken. Ihre Arbeiten sind am ehesten dem instrumentalen Theater und dem konzeptuellen Musiktheater zuzuordnen und spielen gekonnt und nicht ohne Ironie mit Ästhetiken zwischen Experimentalmusik und Electropop. UMS ´n JIP´s Electropop Operas sind ein unkonventionelles Taschenformat, das künstlerisches High-Tech-Labor und maximale Agilität miteinander vereinigt.

Textgrundlage für UMS ´n JIP´s Woyzeck ist das (gekürzte und dramaturgisch verdichtete) deutsche Original. Die Aufführung wird wahlweise mit deutschen, englischen, spanischen oder französischen Untertiteln versehen. Für die Bühne und Visuals zeichnen UMS ´n JIP verantwortlich.









G. Büchner, Woyzeck, Handschriftauszug







ZUM WERK


HINTERGRÜNDE.

Woyzeck ist ein Dramenfragment des deutschen Dramatikers und Dichters Georg Büchner, der mit der Niederschrift vermutlich zwischen etwa Ende Juli und Anfang Oktober 1836 begann. Bei seinem Tod im Februar 1837 blieb das Werk als Fragment zurück. Das Manuskript ist in mehreren Entwurfsstufen überliefert. Im Druck erschien Woyzeck erstmals 1879 in der stark überarbeiteten und vom Herausgeber veränderten Fassung von Karl Emil Franzos. Erst am 8. November 1913 wurde Woyzeck im Residenztheater München uraufgeführt. Seitdem ist es in zahlreiche Sprachen übersetzt und viele Male neu interpretiert worden. Es verkörpert, vor allem seiner lockeren Episoden-Folge wegen, den Typus des offenen Dramas. Woyzeck gehört zu den meistgespielten und einflussreichsten Dramen der deutschen Literatur, das zahlreiche Künstler zu eigenen Werken inspirierte.
Historisches Vorbild für den Büchnerschen Woyzeck ist der am 3. Januar 1780 in Leipzig als Sohn eines Perückenmachers geborene Johann Christian Woyzeck. Aus Eifersucht erstach er am 21. Juni 1821 die 46-jährige Witwe Johanna Christiane Woost in einem Hausflur in der Leipziger Sandgasse im Seeburgviertel. Im Prozess erstellte der Medizinprofessor Johann Christian August Clarus zwei Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten. Woyzeck wurde nach einem langen Verfahren, in dem sich sogar der sächsische Thronfolger mit einem Gutachten für ihn einsetzte, verurteilt und am 27. August 1824 auf dem Marktplatz in Leipzig öffentlich hingerichtet. Diese historische Vorlage ist in jüngerer Zeit editorisch umfangreich bearbeitet worden. So sind heute alle den historischen Woyzeck betreffenden Urteile und Gutachten im Volltext zugänglich und sowohl rechts- als auch psychiatriehistorisch ausgewertet. Clarus’ Gutachten mit dem Titel Die Zurechnungsfähigkeit des Mörders J. C. Woyzeck, nach Grundsätzen der Staatsarzneikunde aktenmäßig erwiesen erschien in dem Fachblatt Henkes Zeitschrift für die Staatsarzneikunde. Büchners Vater hatte die Zeitschrift abonniert und veröffentlichte darin selbst Fälle aus seiner Praxis als Arzt.
Eine weitere historische Begebenheit wurde mit den „Erbsbrei-Experimenten“ des Gießener Wissenschaftlers Justus von Liebig in das Drama eingearbeitet. Um herauszufinden, ob man Militär und Proletariat nicht mit eiweißreichen Hülsenfrüchten günstiger verköstigen könne, mussten Soldaten bei diesen Menschenversuchen drei Monate lang ausschließlich Erbsbrei essen. Die Probanden litten bald unter Halluzinationen, verloren die Kontrolle über ihre Muskeln einschließlich des Schließmuskels und des Harndrangs. Die neurologischen Krankheitssymptome, die Woyzeck beim einseitigen Erbsenessen entwickelte, sind dabei tatsächlich die Folgen einer Vergiftung mit einem Übermaß an nichtproteinogenen Aminosäuren. In Anbauländern wie Bangladesch oder Äthiopien kommt es noch heute zu solchen Vergiftungserscheinungen bei armen Leuten, die sich nur einseitige Kost leisten können.

Insgesamt liegen dem Drama – Streichungen und verworfene Passagen nicht eingerechnet – 31 Szenen aus der Hand Büchners zugrunde. Es ist nicht erkennbar, wie Büchner diese Szenen anordnen wollte. Die Manuskriptseiten haben keine Seitenzahlen, die Szenen des nicht in Akte gegliederten Stücks sind nicht nummeriert. Viele Szenen sind sehr kurz und trotzdem eigenständig. Das Woyzeck-Fragment liegt handschriftlich in mehreren Entwurfsfassungen vor, die heute im Weimarer Goethe- und Schiller-Archiv aufbewahrt werden. Eine Faksimileausgabe der Handschriften veröffentlichte 1981 Gerhard Schmid.

 

DIE QUELLENLAGE.

Vierzehn Jahre nach Georg Büchners Tod brachte sein Bruder Ludwig 1850 die Nachgelassenen Schriften heraus. Woyzeck wurde nicht aufgenommen, da das Manuskript stark verblasst und weitgehend unleserlich war. Der österreichische Schriftsteller Karl Emil Franzos konnte das Manuskript mit chemischer Behandlung wieder lesbar machen. Er publizierte 1879 das Fragment in einer stark überarbeiteten Fassung in Georg Büchner: Sämmtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß. Auf die von Franzos herausgegebene Fassung bezog sich Paul Landau, der 1909 in Georg Büchners gesammelte Schriften eine weitere Fassung herausgab, die sich lediglich in der Szenenanordnung von Franzos’ Ausgabe unterschied. Diese Version benutzte Alban Berg als Grundlage für seine Oper „Wozzeck“. Sämtliche Werke, Briefe und Dokumente in zwei Bänden, herausgegeben von Henri Poschmann, ist die jüngste Edition von Büchners Gesamtwerk (seit 2002 als Taschenbuch im Insel-Verlag). Burghard Dedner ist zusammen mit Thomas Michael Mayer verantwortlich für die Studienausgabe bei Reclam. Im Januar 2006 ist als aktuelle Edition der Woyzeck als Band 7 der Historisch-kritische(n) Ausgabe der Sämtlichen Werke und Schriften Georg Büchners, der Marburger Ausgabe, erschienen. Der Textband (Band 7.1) wurde von Burghard Dedner und Gerald Funk herausgegeben, der Erläuterungsband (Band 7.2) von Burghard Dedner. Die Marburger Ausgabe ist seit September 2013 abgeschlossen.


DIE HANDLUNG IM ÜBERBLICK.

Der einfache Soldat Franz Woyzeck, der seine Freundin Marie und das gemeinsame uneheliche Kind finanziell zu unterstützen versucht, arbeitet als Diener für seinen Hauptmann. Um sich einen zusätzlichen Verdienst zu seinem mageren Sold, den er restlos an Marie abgibt, zu sichern, lässt er sich von einem skrupellosen Arzt zu Versuchszwecken auf Erbsendiät setzen. Hauptmann und Arzt nutzen Woyzeck nicht nur physisch und psychisch aus, sondern demütigen ihn obendrein in aller Öffentlichkeit. Als Marie heimlich eine Affäre mit einem Tambourmajor beginnt und Woyzecks aufkeimender Verdacht sich bestätigt, nachdem er Marie im Wirtshaus beim Tanz mit dem Nebenbuhler beobachtet hat, glaubt er, innere Stimmen zu hören, die ihm befehlen, die treulose Marie umzubringen. Weil sein Geld für den Kauf einer Pistole nicht ausreicht, besorgt er sich ein Messer, führt Marie auf einem abendlichen Spaziergang in den nahegelegenen Wald und ersticht sie dort am Ufer eines Sees.

Büchner beschreibt hier die Deformation eines Menschen zum animalischen Wesen, weil ihm Besitz, soziale Anerkennung und lebensnotwendiges Geld fehlen. Der Tambourmajor hat ihn aus dem einzigen noch vorhandenen Umfeld, in dem er noch Mensch sein konnte, verdrängt. „Viehische Vernunft, wildes Tier, der Affe als Soldat, das pissende Pferd, ein thierischer Mensch“ spiegeln all diese Deformationen wider.


FIGUREN.

Woyzeck. Friedrich Johann Franz Woyzeck, genannt Franz, ist ein 30 Jahre alter Mann, dessen Hauptberuf Wehrmann ist. Er hat ein uneheliches Kind mit Marie. Da Woyzeck nur einen kargen Soldatensold bekommt und für Marie und ihr Kind Christian Unterhalt bezahlen muss, versucht er sich mit Nebenberufen über Wasser zu halten. So arbeitet er als persönlicher Assistent für den Hauptmann und als Proband für den Dorfarzt. Er leidet an Schizophrenie und ist psychisch labil. Maries Beziehung zum Tambourmajor, welche sie zu verheimlichen versucht, macht ihn eifersüchtig und misstrauisch.

Marie. Marie ist die Geliebte von Woyzeck und die Mutter des gemeinsamen unehelichen Kindes. Sie wird als sehr attraktiv beschrieben. Sie lässt sich auf eine Affäre mit dem Tambourmajor ein, wodurch sich ihr anfangs vertrautes Verhältnis zu Woyzeck zunehmend verschlechtert. Letztlich führt das gestörte Verhältnis dazu, dass Woyzeck sie eines Abends am Teich ermordet. Marie erscheint untreu, da sie sich dem Tambourmajor hingibt, wenn auch erst widerwillig. Sie lässt sich durch die Verlockung materiellen Besitzes und Geschenke beeinflussen. Des Weiteren strebt sie einen gesellschaftlichen Aufstieg durch die Liaison mit dem Tambourmajor an. Trotz ihrer Untreue ist sie jedoch nicht gewissenlos, da sie den vermeintlichen Ehebruch später sehr bereut und Hilfe in der Bibel sucht.

Hauptmann. Der Hauptmann gehört zur höheren Gesellschaftsschicht. Woyzeck dient ihm als persönlicher Assistent, der ihm den Bart rasiert und kleinere Besorgungen erledigt. Der Doktor beschreibt ihn als aufgedunsen und mit fettem Hals. Seine Abneigung gegen Moralverstöße, wie es ein uneheliches Kind für ihn beispielsweise darstellt, sowie die für ihn große Wichtigkeit des kirchlichen Segens zeigen, dass er allgemein kirchlich-konservativ eingestellt ist. Zudem vermitteln seine herablassenden Aussagen gegenüber Woyzeck bzw. das Sich-lustig-Machen über ihn eine gewisse Arroganz. Auch seine pfiffige Sprechweise, um Klugheit zu beweisen, zeugt davon. Des Weiteren ist er nach eigener Aussage ein schwermütiger bzw. schwärmerischer Mensch und nicht zuletzt mit seinen mündlichen Überlegungen zur Ewigkeit sehr philosophisch. Sein offensichtlichstes Merkmal stellt jedoch seine enorme Abneigung gegen Hetzerei und Eile dar. So passt allein das Rennen nicht in sein Bild eines guten Menschen, denn Eile gründet seiner Meinung nach auf einem schlechten Gewissen.

Doktor. Der Doktor ist Teil der gebildeten Schicht und tritt im Buch nicht als Privatperson, sondern nur als Wissenschaftler und Forscher auf. Er ist höchst interessiert an naturwissenschaftlichen Phänomenen. Aus diesem Grund führt er diverse Experimente durch. So testet er an Woyzeck, wie sich das dauerhafte Essen von Erbsen auf den Körper auswirkt. Bei diesem Experiment wird auch die skrupellose Natur des Doktors deutlich, da er Woyzeck nicht als Menschen betrachtet, sondern als Versuchsobjekt, und ihm die negativen Auswirkungen auf Woyzeck egal sind. Er ist leicht reizbar und findet Gefallen daran, anderen Leuten mit einer Diagnose des medizinischen Zustandes einen Schrecken einzujagen. Auch er schikaniert Woyzeck mehrmals öffentlich, erhöht jedoch bei jeder Verschlechterung seines körperlichen und psychischen Zustands dessen Sold.

Tambourmajor. Der Tambourmajor führt die Militärkapelle an. Er wird als starker und selbstbewusster, wenn nicht eingebildeter Mann beschrieben. Marie und ihre Nachbarin Margret vergleichen ihn mit einem Baum und einem Löwen. Maries Anblick erfüllt ihn mit großer Lust und sexuellem Verlangen, weshalb er versucht, sie sich zu eigen zu machen. Er überredet Marie in der Szene „Mariens Kammer“ dazu, mit ihm intim zu werden. Marie wehrt sich zunächst, macht sich ihm aber auf erneutes Drängen fast schon gleichgültig gefügig. Der Tambourmajor legt großen Wert auf seine äußerliche Erscheinung. Er trägt seine Uniform sowie seine weißen Handschuhe und einen prächtigen Federbusch mit Überzeugung. Er kann Marie teure Geschenke machen, beispielsweise goldene Ohrringe, da er keine Familie zu ernähren hat. In seinem letzten Auftritt verhält sich der Tambourmajor sehr aggressiv und ringt Woyzeck zu Boden. Insgesamt kann er als Gegenspieler zur Figur des Woyzeck gesehen werden.

Andres. Andres singt gerne und viel, was darauf hindeutet, dass er ein fröhlicher und positiver Mensch ist. Er steht zu seinen Gefühlen und Ängsten. Sowohl in der Szene „Die Wachtstube“ als auch in „Ein Zimmer in der Kaserne“ versucht Woyzeck Andres seine innerlichen Unruhen mitzuteilen, jedoch nimmt dieser ihn und seine Sorgen nicht ernst. Er erscheint desinteressiert und kümmert sich nicht weiter um Woyzeck. Obwohl beide lediglich Kollegen sind, hat jedoch Woyzeck zu ihm viel Vertrauen und er ist die einzige Person in dem Drama, abgesehen von Marie, die Woyzeck auf Augenhöhe begegnet. Andres’ Loyalität gegenüber Woyzeck wird in der Szene „Kasernenhof“ ersichtlich. Er zitiert die Aussage des Tambourmajors über Marie. Die Vertrauenswürdigkeit Andres’ wird deutlich, als ihm Woyzeck in der Szene „Kaserne“ sein Erbe und seine Identität anvertraut.


MORDMOTIVE WOYZECKS.

Das Drama bietet, je nach Ausgabe und Abfolge der Szenen, unterschiedlich gewichtete Mordmotive Woyzecks:

Das Eifersuchtsmotiv: Das offensichtlichste Mordmotiv ist die Eifersucht auf den Tambourmajor, da Marie mit ihm ein Verhältnis eingeht, obwohl Woyzeck sich für sie und das gemeinsame Kind gleichsam aufopfert. Woyzeck ist dem Major in physischer, gesellschaftlicher und sexueller Hinsicht unterlegen (besonders deutlich in der Szene, in der die beiden kämpfen) und lenkt seine Aggression deswegen auf Marie.

Die psychische Störung: Woyzeck hört immer wieder Stimmen, ein Symptom für Schizophrenie. Hervorgerufen oder verschlimmert wird seine Krankheit durch den Vertrag mit dem Arzt. Anstatt Woyzeck zu heilen, benutzt er ihn als Versuchskaninchen und ermahnt ihn, eine extrem einseitige Ernährung (Erbsen-Diät) beizubehalten, und verstärkt so Woyzecks Mangelerscheinungen noch. Seine Symptome weisen auf eine Vergiftung durch die einseitige Ernährung mit Erbsenbrei hin. Das egoistische Motiv des Doktors ist allein der Ehrgeiz, seine pseudo-wissenschaftlichen Experimente voranzubringen. Somit erscheint der Mord zum Teil auch als Folge der durch Fehlernährung begünstigten psychischen Instabilität Woyzecks, die sich schon zu Beginn des Dramas abzeichnet.

Die Befreiung von der Gesellschaft: Woyzeck wird von der Gesellschaft, repräsentiert von Hauptmann, Doktor und Tambourmajor, ausgenutzt und gedemütigt. Sein Mord an Marie ist somit auch eine Form des Protests gegen die bestehenden Verhältnisse, der Ausbruch seiner aufgestauten Aggression gegen die etablierte Klasse, der er ausgeliefert ist.

Das finanzielle Motiv: Durch Woyzecks niedrige Gesellschaftliche Stellung ist er finanziell schlecht aufgestellt. Er ist zu arm um zu leben, selbst die Mordwaffe kann er sich kaum leisten. Der Tod ist die Erlösung von all seinen finanziellen Problemen.


DER KERN DES DRAMAS.

Um den Kernpunkt des Dramas Woyzeck zu erfassen, ist es wichtig, auf das Mordmotiv einzugehen. Es genügt jedoch nicht, sich auf Woyzecks Eifersucht gegenüber dem Tambourmajor zu beschränken. Eine große Rolle spielen auch die gesellschaftlichen Hintergründe, ganz besonders die ständische Gliederung der Gesellschaft. Deutlich wird dies vor allem mit einem Blick auf die Personenkonstellation und die Sprache von Büchners Figuren. Woyzeck wird in dieser Gesellschaft unterdrückt und gedemütigt, was sich in den Beziehungen zu dem Hauptmann, dem Doktor, aber auch dem Tambourmajor widerspiegelt: zum Hauptmann, der Woyzeck aufgrund seiner ärmlichen Herkunft und seines unehelichen Kindes mit Marie als „unmoralisch“ bezeichnet; zum Doktor, der ihn als Versuchsobjekt ansieht und zur gesundheitsschädigenden Ernährung zwingt, dessen Experimenten sich Woyzeck jedoch nicht entziehen kann, da er auf diesen Nebenverdienst angewiesen ist, um seine Familie zu ernähren; zum Tambourmajor, der Woyzeck gegenüber keinen Respekt erweist und ihn sowohl öffentlich als auch privat lächerlich macht. Woyzeck ist zudem nicht nur physisch, sondern auch psychisch labil. Das hat zur Folge, dass er sich der Willkür anderer Menschen unterordnet, obwohl deren Unterdrückung in ihm Wut und Verzweiflung auslösen. Allein die Beziehung zu Marie gibt ihm Halt und vermittelt ihm das Gefühl, ein wertvoller Mensch zu sein. Maries Untreue ist demnach als Anlass für den Mord zu betrachten, nicht aber als Ursache: Durch den Verlust ihrer Treue kann Woyzeck dem gesellschaftlichen Druck, der auf ihm lastet, nicht länger standhalten. Der Mord an Marie kann als ein Akt der Selbstzerstörung Woyzecks und als eine Befreiung von der Gesellschaft interpretiert werden.


HISTORISCHE SZENISCHE LESARTEN.

In der dichten Folge der Woyzeck-Inszenierungen während der 1920er Jahre schälten sich als Regiekonzeptionen vier szenische Lesarten heraus:

Der Woyzeck als Gleichnis für ein unerklärliches, unausweichlich und schicksalhaft über den Menschen auf Erden verhängtes Leiden.

Der Woyzeck als soziales Drama, als Proletariertragödie. Woyzeck wird durch gesellschaftliche Gegebenheiten und Zwänge zum Mörder und Selbstmörder. Hier wird das Werk zum politischen Kampftheater im Klassenkampf.

Der Woyzeck als Repräsentant jener hochsensiblen, intensiv fühlenden Menschen, die in eine triebbestimmte, gefühllos kalte Welt gestellt sind. Woyzeck hält die Spannung zwischen seinem inneren Leben und einer rohen Umwelt nicht aus, er fällt in Wahnsinn, wird zum Mörder und Selbstmörder. Er erleidet das immer wiederkehrende Schicksal der Menschen mit den „empfindlicheren Nervensystemen“ in ihrem Kampf mit den stumpfen Empfindungslosen.

Der Woyzeck als Eifersuchtsdrama, als Moritat und szenische Volksballade in der Tradition der deutschen Volksdichtung, der Volksballade und des Volksliedes.





Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Woyzeck




ENGLISH

Woyzeck is a stage play written by Georg Büchner. Woyzeck deals with the dehumanising effects of doctors and the military on a young man's life. It is often seen as 'working class' tragedy, though it can also be viewed as having another dimension, portraying the 'perennial tragedy of human jealousy'. Woyzeck has become one of the most performed and influential plays in the German theatre repertory.

Büchner probably began writing the play between June and September 1836. It is loosely based on the true story of Johann Christian Woyzeck, a Leipzig wigmaker who later became a soldier. In 1821, Woyzeck, in a fit of jealousy, murdered Christiane Woost, a widow with whom he had been living; he was later publicly beheaded. Büchner's work remained in a fragmentary state at the time of his early death in 1837. The play was first made public in a heavily edited and augmented version by Karl Emil Franzos, who published it in periodicals in 1875 and 1877, before including it in his edition of Büchner's collected works in 1879. Franzos mistakenly understood the title character's name in the manuscripts as "Wozzeck", and the play bore that title in its first stage productions, and in subsequent published editions based on Franzos's version. The play was not performed until November 8, 1913 at the Residenztheater, Munich, where it was produced by Max Reinhardt. Not only did Franzos have to cope with Büchner's "microscopically small" handwriting, but the pages had faded so badly that they had to be chemically treated to make the text decipherable at all. Franzos was unaware of the real-life basis of the drama, which was first generally disseminated through the appearance in 1921 of a new edition based on the manuscript by Georg Witkowski, which introduced the corrected title Woyzeck.

Franz Woyzeck, a lonely soldier stationed in a provincial German town, is living with Marie, the mother of his child who is not blessed by the church as the child was born out of wedlock. Woyzeck earns extra money for his family by performing menial jobs for the Captain and agreeing to take part in medical experiments conducted by the Doctor. At one of these experiments, the Doctor tells Woyzeck that he must eat nothing but peas. Woyzeck's mental health is breaking down and he begins to experience a series of apocalyptic visions. Meanwhile, Marie grows tired of Woyzeck and turns her attentions to a handsome drum major who, in an ambiguous scene taking place in Marie's bedroom, sleeps with her. With his jealous suspicions growing, Woyzeck confronts the drum major, who beats Woyzeck up and humiliates him. Finally, Woyzeck stabs Marie to death by a pond. While a third act trial is claimed by some, notably A. H. J. Knight and Fritz Bergemann, to have been part of the original conception (what may be the beginning of a courtroom scene survives), the fragment, as left by Büchner, ends with Woyzeck disposing of the knife in the pond while trying to clean himself of the blood. Here Franzos inserted the stage direction "ertrinkt" (he drowns), and although this emendation according to Knight "almost amounts to a forgery", most versions employ drowning as an appropriate resolution to the story.





Georg Büchner, J. C. Woyzeck




BIOGRAPHIEN


1954 in Nürnberg geboren, studierte Wolfgang Beuschel an der Staatlichen Hochschule für Musik Heidelberg-Mannheim Schulmusik und an der Universität Heidelberg Germanistik. Seine Karriere als Schauspieler begann 1985 am Stadttheater Pforzheim. Nach Engagements in Aachen, Basel, Konstanz, Luzern, an der Oper in Zürich und dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg arbeitet er als Rezitator, Schauspieler, Regisseur und Coach. Er ist Leiter des schweizweit einzigen Weiterbildgungsprojektes für Kulturschaffende in Zürich, Regisseur in Résidence des Atelier Vocaloe d'Alsace mit Sitz in Colmar und er unterrichtet Auftrittskompetenz an der ZHAW in Winterthur am Institut für angewandte Medienwissenschaft. Wolfgang Beuschels Interesse gilt "Wort und Ton"-Programmen. Als Rezitator ist er in den letzten Jahren an Liederabenden mit Ulrike Andersen, Ruth Ziesak, Regina Jakobi, Hanno Müller-Bachmann, Martin Bruss, Christian Hilz und den Pianisten Katja Bouscarrut, Peter Bordfeldt, Ulrich Eisenlohr, Dorian Keilhack, Simone Keller, Walter Prossnitz und dem Orchester des Norddeutschen Rundfunks, dem Orchester der Staatsoperette Dresden, dem Philharmonischen Orchester Heidelberg und dem Orchester der Zürcher Oper. Beuschel entwickelt allein und im Team mit Simone Keller und Philip Bartels Programme zu Franz Schubert, Felix und Fanny Mendelssohn, Ludwig Uhland, Heinrich von Kleist, Paul Heyse, Mary Shelly, Ludwig Tieck und Michael Bulgakov. Als Schauspieler spielte er in Klettes Aachener Shakespearezyklus den Polonius im "Hamlet" und den Ringer Charles in "Wie es euch gefällt", bei Markus Bothe den Puk im"Sommernachtstraum", bei Swetlana Schönfeld den Shlomo Herzl in "Mein Kampf“. In Zürich war er in den 90er Jahen Albrecht Hirches Woyzeck. Ausserdem hat er den Amadeus von Peter Schaffer, Ella von Achternbusch und den Kontrabas von Patrick Süsskind gespielt. Am Opernhaus Zürich spielte er den Komponisten Franz Schubert in Claus Guths Fierrabras Inszenierung und in Hamburg am Schauspielhaus Basta in Tintenherz von Cornelia Funke. Bei EMI Classics ist Wolfgang Beuschel auf DVD als Schubert in Schuberts Fierrabras zu sehen (Regie: Claus Guth, Opernhaus Zürich, 2002). Für UMS ´n JIP arbeitete als Regisseur in den folgenden Produktionen: TWO (20min), THREE (esperanTEKKNopera), FOUR (The Creation), FIVE (Grimm´s Tales), Sancho, A Christmas Carol, Silence, On Cage

UMS 'n JIP are a Swiss contemporary music duo, consisting of Ulrike Mayer-Spohn (UMS) on recorders & electronics and Javier Hagen (JIP), voice & electronics. One of the most experienced and distinguished contemporary music laboratories of our times, they work as performers, composers and organizers within a global network of composers, visual artists, stage directors, researchers, universities and festivals. Their special interest in long term collaboration, with its exchange of knowledge and awareness, brings context to new creations and results in an outstanding increase of artistic content. In this manner, UMS 'n JIP explore new settings for voice, recorders and electronics, ranging from live to digital performance in concert, scenic or installative formats and often integrate European as well as non-European music. UMS `n JIP have been invited to perform at prestigious contemporary music festivals around the world including Zürich, Lucerne, Donaueschingen, Stuttgart, Berlin, Paris, Barcelona, Athens, Istanbul, Moscow, Shanghai, Hong Kong, Seoul, Tokyo, Buenos Aires, and New York. They have premiered hundreds of works, collaborating with both world famous and aspiring young composers such as Heiner Goebbels, Wolfgang Rihm, Mauricio Kagel, Jennifer Walshe, Wolfgang Mitterer, Erik Oña, Luis Codera Puzo, Chikashi Miyama, Huang Ruo and Guo Wenjing. They can look back on more than 1200 concerts since their debut in 2007 and are one of the most active contemporary music ensembles worldwide, bringing both young and established works not only to famous venues but also to audiences who do not have easy access to live performances of top quality contemporary music. Both individually and as a duo UMS and JIP have received numerous commissions and awards and have been invited to share their knowledge in renowned universities in Europe, America and Asia. JIP is also the director of the Swiss Contemporary Music Festival Forum Wallis and the current president of ISCM Switzerland, as well as a board member of the European Conference of Promoters of New Music ECPNM (2014-18), the Swiss Music Edition, and of the UNESCO Commission for the Inventory of Intangible Cultural Heritage in the Canton of Valais (2009-18). Since 2013 UMS has been pioneering two new research projects: Recorder Map and Recorderology, and the duo has been invited to act as experts in the European Union's FP7 i-Treasures project.











Wolfgang Beuschel @ TWO, THREE, FOUR, FIVE, Sancho, A Christmas Carol
UMS ´n JIP, Walcheturm Zürich 2009-2020