MÖRIKE goes electronic

 

 

 

 

 

PROGRAM


JIP
MÖRIKE goes electronic, 2016
for voice, recorder and electronics

Gesang Weyla's
Auf eine Christblume
An eine Äolsharfe
Verborgenheit
Zitronenfalter im April
Peregrina II
An die Geliebte
Peregrina IV
Peregrina V
Um Mitternacht

 

 

 

 

 

 

VIDEO

 

 

 

 

 

 

 

IDEA


In 1838 Heinrich Heine mocked Eduard Mörike (without having read him): "A very excellent poet of the Swabian school, I am assured, is Herr Mörike -- he has only recently come into consciousness, but has not yet appeared: he has still to publish his poems. I am told he sings not only of cockchafers, but even of larks and quail, which is certainly very laudable." Today the Swabian is recognized as one of the greatest poets in the German language, and his lyrics are a favorite of composers. His poems depict the most delicate stirrings of the soul -- tender, loving, but also -- and this goes well beyond the cliché of what is known in German as Biedermeier bourgeosity -- extremely profound. His poetry covers a huge range. On one side through the diversity of themes and the immense richness of its forms. On another through the plenitude of nuanced expression, the subtle differentiation of tone and pitch, and its atmospheric and emotional moods. Above all, however, his works go beyond the narrow limits of the bourgeois Biermeier world (1815-1848), either by creating a counter-world of the fairy-tale and the miraculous, or by interleaving dark notions of threat and the abyss between its lines.

These aspects are highlighted in the composition of UMS 'n JIP. They reveal hidden, unexpected and sometimes frightening facets of Mörike's poems. By linking to / combining with the aesthetics of electropop, they their timelessness and actuality are made clear.

Mörike goes Electronic belongs to a series of programs, developed under the label 'digging up history'. They draw on a variety of sources, from the Middle Ages to Romanticism. Through this process, UMS 'n JIP, who mainly work with contemporary composers, reflect on and reflect both their own present and their musical roots.

 

 

 

 

 

POEMS

 

Um Mitternacht (1827)

Gelassen stieg die Nacht ans Land,
Lehnt traeumend an der Berge Wand,
Ihr Auge sieht die goldne Waage nun
Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn;
Und kecker rauschen die Quellen hervor,
Sie singen der Mutter, der Nacht, ins Ohr
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.

Das uralt alte Schlummerlied,
Sie achtets nicht, sie ist es mued,
Ihr klingt des Himmels Blaeue suesser noch,
Der fluechtgen Stunden gleichgeschwungnes Joch.
Doch immer behalten die Quellen das Wort,
Es singen die Wasser im Schlafe noch fort
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage

English version: http://www.cingolani.com/22em.html

 

An die Geliebte (1830)

Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt,
Mich stumm an deinem heilgen Wert vergnuege,
Dann hoer ich recht die leisen Atemzuege
Des Engels, welcher sich in dir verhuellt.

Und ein erstaunt, ein fragend Laecheln quillt
Auf meinen Mund, ob mich kein Traum betruege,
Dass nun in dir, zu ewiger Genuege,
Mein kuehnster Wunsch, mein einzger, sich erfuellt?

Von Tiefe dann zu Tiefen stuerzt mein Sinn,
Ich hoere aus der Gottheit naechtger Ferne
Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.

Betaeubt kehr ich den Blick nach oben hin,
Zum Himmel auf— da laecheln alle Sterne;
Ich kniee, ihrem Lichtgesang zu lauschen.

English version: http://www.cingolani.com/4em.html

 

Gesang Weylas (1832)

Du bist Orplid, mein Land!
Das ferne leuchtet;
Vom Meere dampfet dein besonnter Strand
Den Nebel, so der Goetter Wange feuchtet.

Uralte Wasser steigen
Verjuengt um deine Hueften, Kind!
Vor deiner Gottheit beugen
Sich Koenige, die deine Waerter sind.

English version: http://www.cingolani.com/29em.html

 

An eine Aeolsharfe (1837)

Tu semper urges flebilibus modis
Mysten ademptum: nec tibi Vespero
Surgente decedunt amores,
Nec rapidum fugiente Solem.
--Horaz

Angelehnt an die Efeuwand
Dieser alten Terrasse,
Du, einer luftgebor'nen Muse
Geheimnisvolles Saitenspiel,
Fang' an,
Fange wieder an
Deine melodische Klage!

Ihr kommet, Winde, fern herueber,
Ach! von des Knaben,
Der mir so lieb war,
Frischgruenendem Huegel.
Und Fruehlingsblueten unterwegs streifend,
Uebersaettigt mit Wohlgeruechen,
Wie suess, wie suess bedraengt ihr dies Herz!
Und saeuselt her in die Saiten,
Angezogen von wohllautender Wehmut,
Wachsend im Zug meiner Sehnsucht,
Und hinsterbend wieder.

Aber auf einmal,
Wie der Wind heftiger herstoesst,
Ein holder Schrei der Harfe
Wiederholt mir zu suessem Erschrecken
Meiner Seele ploetzliche Regung,
Und hier, die volle Rose streut geschuettelt
All' ihre Blaetter vor meine Fuesse!

English version: http://www.cingolani.com/21em.html

 

Verborgenheit (1832)

Lass, o Welt, o lass mich sein!
Locket nicht mit Liebesgaben,
Lasst dies Herz alleine haben
Seine Wonne, seine Pein!

Was ich traure, weiss ich nicht,
Es ist unbekanntes Wehe;
Immerdar durch Traenen sehe
Ich der Sonne liebes Licht.

Oft bin ich mir kaum bewusst,
Und die helle Freude zuecket
Durch die Schwere, so mich druecket
Wonniglich in meiner Brust.

Lass, o Welt, o lass mich sein!
Locket nicht mit Liebesgaben,
Lasst dies Herz alleine haben
Seine Wonne, seine Pein!

English version: http://www.cingolani.com/24em.html

 

Zitronenfalter im April

Grausame Fruehlingssonne,
Du weckst mich vor der Zeit,
Dem nur in Maienwonne
Die zarte Kost gedeiht!
Ist nicht ein liebes Maedchen hier,
Das auf der Rosenlippe mir
Ein Troepfchen Honig beut,
So muss ich jaemmerlich vergehn
Und wird der Mai mich nimmer sehn
In meinem gelben Kleid.

English version: http://www.cingolani.com/59em.html

 

Auf eine Christblume (1841)

I

Tochter des Walds, du Lilienverwandte,
So lang von mir gesuchte, unbekannte,
Im fremden Kirchhof, oed und winterlich,
Zum erstenmal, o schöne, find ich dich!

Von welcher Hand gepflegt du hier erbluehtest,
Ich weiss es nicht, noch wessen Grab du huetest;
Ist es ein Juengling, so geschah ihm Heil,
Ists eine Jungfrau, lieblich fiel ihr Teil.

Im naechtgen Hain, von Schneelicht ueberbreitet,
Wo fromm das Reh an dir vorueberweidet,
Bei der Kapelle, am kristallnen Teich,
Dort sucht ich deiner Heimat Zauberreich.

Schoen bist du, Kind des Mondes, nicht der Sonne;
Dir waere tödlich andrer Blumen Wonne,
Dich naehrt, den keuschen Leib voll Reif und Duft,
Himmlischer Kaelte balsamsuesse Luft.

In deines Busens goldner Fuelle gruendet
Ein Wohlgeruch, der sich nur kaum verkuendet;
So duftete, beruehrt von Engelshand,
Der benedeiten Mutter Brautgewand.

Dich wuerden, mahnend an das heilge Leiden,
Fuenf Purpurtropfen schoen und einzig kleiden:
Doch kindlich zierst du, um die Weihnachtszeit,
Lichtgruen mit einem Hauch dein weisses Kleid.

Der Elfe, der in mitternaechtger Stunde
Zum Tanze geht im lichterhellen Grunde,
Vor deiner mystischen Glorie steht er scheu
Neugierig still von fern und huscht vorbei.

II

Im Winterboden schlaeft, ein Blumenkeim,
Der Schmetterling, der einst um Busch und Huegel
In Fruehlingsnächten wiegt den samtnen Fluegel;
Nie soll er kosten deinen Honigseim.

Wer aber weiss, ob nicht sein zarter Geist,
Wenn jede Zier des Sommers hingesunken,
Dereinst, von deinem leisen Dufte trunken,
Mir unsichtbar, dich bluehende umkreist?

English version: http://www.cingolani.com/89em.html

 

Peregrina II (1824)

Aufgeschmueckt ist der Freudensaal.
Lichterhell, bunt in laulicher Sommernacht
Stehet das offene Gartengezelte.
Saeulengleich steigen, gepaart,
Gruen-umranket, eherne Schlangen,
Zwoelf mit verschlungenen Haelsen,
Tragend und stuetzend das
Leicht gegitterte Dach.

Aber die Braut noch wartet verborgen
In dem Kaemmerlein ihres Hauses.
Endlich bewegt sich der Zug der Hochzeit,
Fackeln tragend,
Feierlich stumm.
Und in der Mitte,
Mich an der rechten Hand,
Schwarz gekleidet, geht einfach die Braut;
Schoen gefaltet ein Scharlachtuch
Liegt um den zierlichen Kopf geschlagen.
Laechelnd geht sie dahin; das Mahl schon duftet.

Spaeter im Laermen des Fests
Stahlen wir seitwaerts uns beide
Weg, nach den Schatten des Gartens wandelnd,
Wo im Gebuesche die Rosen brannten,
Wo der Mondstrahl um Lilien zuckte,
Wo die Weymouthsfichte mit schwarzem Haar
Den Spiegel des Teiches halb verhaengt.
Auf seidnem Rasen dort, ach, Herz am Herzen,
Wie verschlangen, erstickten meine Kuesse den
scheueren Kuss!

Indes der Springquell, unteilnehmend
An ueberschwaenglicher Liebe Gefluester,
Sich ewig des eigenen Plaetscherns freute;
Uns aber neckten von fern und lockten
Freundliche Stimmen,
Floeten und Saiten umsonst.

Ermuedet lag, zu bald für mein Verlangen,
Das leichte, liebe Haupt auf meinem Schoss.
Spielender Weise mein Aug auf ihres drueckend,
Fuehlt ich ein Weilchen die langen Wimpern,
Bis der Schlaf sie stellte,
Wie Schmetterlingsgefieder auf und nieder gehn.

Eh das Fruehrot schien,
Eh das Laempchen erlosch im Brautgemache,
Weckt ich die Schlaeferin,
Fuehrte das seltsame Kind in mein Haus ein.

English version: http://www.cingolani.com/66em.html

 

Peregrina IV (1824)

Warum, Geliebte, denk ich dein
Auf einmal nun mit tausend Tränen,
Und kann gar nicht zufrieden sein,
Und will die Brust in alle Weite dehnen?

Ach, gestern in den hellen Kindersaal,
Beim Flimmer zierlich aufgesteckter Kerzen,
Wo ich mein selbst vergaß in Lärm und Scherzen,
Tratst du, o Bildnis mitleid-schöner Qual;
Es war dein Geist, er setzte sich ans Mahl,
Fremd saßen wir mit stumm verhaltnen Schmerzen;
Zuletzt brach ich in lautes Schluchzen aus,
Und Hand in Hand verließen wir das Haus.

English version: http://www.cingolani.com/68em.html

Peregrina V (1828)

Die Liebe, sagt man, steht am Pfahl gebunden,
Geht endlich arm, zerrüttet, unbeschuht;
Dies edle Haupt hat nicht mehr, wo es ruht,
Mit Tränen netzet sie der Füße Wunden.

Ach, Peregrinen hab ich so gefunden!
Schön war ihr Wahnsinn, ihrer Wange Glut,
Noch scherzend in der Frühlingsstürme Wut,
Und wilde Kränze in das Haar gewunden.

War's möglich, solche Schönheit zu verlassen?
- So kehrt nur reizender das alte Glück!
O komm, in diese Arme dich zu fassen!

Doch weh! o weh! was soll mir dieser Blick?
Sie küßt mich zwischen Lieben noch und Hassen,
Sie kehrt sich ab, und kehrt mir nie zurück.

English version: http://www.cingolani.com/69em.html

 

 

 

EDUARD MÖRIKE

 

Eduard Friedrich Mörike (8 September 1804 – 4 June 1875) was a German Romantic poet. Mörike was born in Ludwigsburg. His father was Karl Friedrich Mörike (d. 1817), a district medical councilor; his mother was Charlotte Bayer. He attended the Latin school at Ludwigsburg, and the seminary at Urach (1818) where he made the acquaintance of Wilhelm Hartlaub and Wilhelm Waiblinger. He then studied theology at the Seminary of Tübingen where he met Ludwig Bauer, David Friedrich Strauss and F. T. Vischer. He followed an ecclesiastical career, becoming a Lutheran pastor. In 1834 he was appointed pastor of Cleversulzbach near Weinsberg, and, after his early retirement for reasons of health, in 1851 became professor of German literature at the Katharinenstift in Stuttgart. This office he held until his retirement in 1866; but he continued to live in Stuttgart until his death. Mörike was a member of the so-called Swabian school which gathered around Ludwig Uhland. His poems, Gedichte (1838; 22nd ed., 1905), are mostly lyrics, often humorous, but expressed in simple and natural language. His Lieder (songs) are traditional in form and have been compared to those of Goethe. His first published work was the short novel Maler Nolten (“The painter Nolten”, 1832; 6th ed., 1901), a Bildungsroman and fantastic tale dealing with artist life which revealed his imaginative power and enjoyed great popularity. The novella Mozart auf der Reise nach Prag (“Mozart on the way to Prague”, 1856) was a humorous examination of the problems of artists in a world uncongenial to art. It is frequently cited as his finest achievement. He did translations of Anacreon and Theocritus. Mörike's Gesammelte Schriften (“Collected Writings”) were first published in 1878 (4 vols.). His work was greatly praised by the philosopher Ludwig Wittgenstein who recommended him to Bertrand Russell as really a great poet and his poems are among the best things we have...the beauty of Mörike's work is very closely related to Goethe's.

http://en.wikipedia.org/wiki/Eduard_Mörike

 

 

REFERENCES